Aktuelle Ausstellung

Dorothee Herrmann

VONDERDEHNBARKEITDESFADENS

08.02. - 09.03.2019

© D. Herrmann

© D. Herrmann

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Sie haben Interesse an den Werken von Dorothee Herrmann? Sie möchten die Künstlerin kennen lernen? 

 

An folgenden Tagen ist Dorothee Herrmann persönlich in der Galerie anzutreffen: 

 

Do., 7.3. von 14-18 Uhr

Fr., 8.3. von 14-18 Uhr

und am letzten Tag der Ausstellung, 

Sa., 9.3. von 14-18 Uhr.

 

blickdicht verstrickt

bestochen verwirrt

stichelnd versponnen

verwoben umgarnt

Hirngespinste

 

Er sprießt und durchdringt, schlängelt, schreibt und beschreibt, gräbt sich ein in Papier, in Stoff, geht Verbindungen ein mit artfernen Materialien, gerät zu einem Dickicht von real existierenden Fäden, verhilft durch das immer wiederkehrende Nähen „auf der Stelle“ dem Papier zu dreidimensionalen Ausbuchtungen, vernäht Vertrautes zu neu zu Erfahrendem, befragt die Eindimensionalität unserer alltäglichen Dingwelt und unserer Wahrnehmungs­muster und zeigt uns die Vielfalt an Möglichkeiten, die abseits vertrauter Pfade liegen ...

 

Seit ca. 20 Jahren arbeite ich im künstlerischen Bereich mit Nadel und Faden, einem zu dieser Zeit eher unkünstlerisch anmutendem – weil aus einem wenig beachteten weiblichen Erfahrungsbereich stammendem – Material und der damit verbunden Technik. Dies hat sich inzwischen sehr gewandelt.

Mich hat jedoch schon immer eher das Unprätentiöse, Alltägliche, auch Banale in all seinen Erscheinungsformen interessiert, frei nach einem Satz von Ernst Bloch:

„… man achte gerade auf die kleinen Dinge. Was leicht und seltsam ist, führt oft am weitesten.“

Das vertraut Landläufige zu verändern, umzuformen, zu konterkarieren, es auf seine erweiterten Wahrnehmungs­möglich­keiten hin zu befragen und auszuloten, enthält für mich ein großes Spannungspotential.

Auch die Sinnfälligkeit des Tuns, der Handlung an sich, ist von Bedeutung.

Das Weiße aus einem Küchentuch herauszuschneiden steht diametral zu dem, was wir mit Effizienzverhalten meinen.

Ebenso ist die Langsamkeit des Voranschreitens Programm. Der Entschluss, mit der Strickliesel - einem vielen aus Kindertagen bekannten Spielgerät - schwarze Schnüre zu stricken, entstand aus einer Überlegung, die ich vorher mittels des Nähfadens auf Papier bereits erprobt hatte:

 

Wodurch unterscheidet sich die Fadenlinie von der gezeichneten Linie, bzw. was hat sie dieser voraus?

 

Tatsächlich kann beim Nähen auf Papier durch die Gleichzeitigkeit von Perforation und Zusammengehaltenwerden nicht nur eine Zwei- sondern auch eine Dreidimensionalität erreicht werden die nicht nur illusionistisch sondern real ist. Das ließ mich die Idee der Fadenlinie weiter verfolgen und mündete schließlich in gestrickten „Linien“, die durch Verstärkung mit Draht frei formbar werden konnten.

Die Idee, damit ein „Blumenfeld“ zu gestalten, entstand aus der Erfahrung, die ich bisher mit langwierigen Arbeiten gemacht hatte: sei es ein aus 400 zusammengenähten Keramikhemdchen bestehender Teppich oder Bildstrukturen von tausenden einzeln durch die Leinwand gestupften Baumwollfäden. Diese meditativen Arbeiten bieten auch Platz für Reflektion, für Ruhe und Klärung der Gedanken. Eine maschinelle Herstellung der Schnüre kam deshalb nicht infrage.

Die angestrebte Größe des Feldes bedingte aber, die Arbeit des Strickens in mehrere Hände zu geben.

Durch meine - parallel zur künstlerischen - langjährige Arbeit mit ehemals obdachlosen Männern in einem Wohnheim in Stuttgart wurde mir bewusst, wie anders sich Menschen wahrnehmen können, wenn sie sich in Bereichen des gesellschaftlichen Lebens bewegen, die im Allgemeinen eher nicht zu ihrem gewohnten Umfeld gehören. So haben wir zusammen künstlerisch gearbeitet, gemalt, getont, Ausstellungen besucht und auch selbst veranstaltet.

Deshalb nahm ich Kontakt zu zwei Strafanstalten auf, auch weil das Blumenfeld als Sinnbild für Trauer, Mahnung aber auch für Hoffnung stehen sollte: an der letzten Blume des Feldes beginnt ein Blütenblatt sich grün zu färben.

Von der JVA Aichach erhielt ich nach einigen vorbereitenden Gesprächen schließlich die Genehmigung, das Projekt: „manchmal blühen Blumen schwarz“ umzusetzen. So fuhr ich ab Januar 2011 eine zeitlang regelmäßig in das Gefängnis um mit interessierten Frauen dort die Schnüre herzustellen. War es anfangs aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt, die Stricklieseln mit in die Zelle zu nehmen, so durften sie bald auch dort stricken und das Feld wuchs langsam aber stetig.

Auch entstand inzwischen ein Netz von Mitarbeiterinnen aus meinem privaten Umfeld und infolge eben auch die Verbreitung einer künstlerischen Idee.

Jede Blume ist ein Unikat, Masche für Masche gearbeitet und geformt, mit kleinen Unterschieden in Material und Strickqualität, am natürlichen Verhalten orientiert.

Aus diesem Gedanken entstanden auch die das Blumenfeld begleitenden Arbeiten auf Papier, die Fadenzeichnungen „vom natürlichen Verhalten“ als auch die objekthaften Arbeiten wie z.B. die Serien schwarzblühend, Kombinationen von Keramik und Baumwollfäden und „rührmichnichtan“. Bei letzteren ersetzte ich die Textilen durch Drahtfäden.

Erscheinungsformen wie sie in der Natur festzustellen sind, Spielarten, Anpassung und Verdrängung, Umformung und Überlebensstrategien sind hier thematisiert. Die Nähe von „natürlicher“ zu künstlerischer Vorgehensweise wird sichtbar. Der Prozeß des steten Werdens und Wandels schlägt sich ebenso in dem Island-Zyklus nieder. Fragmentarisch werden hier das blickdichte Hinschauen und die immer auch subjektiven Erkenntnisse kommentiert, die auf die hochsensiblen Spuren des Lebens und Entstehens verweisen ebenso auf die Zartheit und Verletzlichkeit.

 

copyright by

Dorothee Herrmann

Hauptstr. 86b

89233 Neu-Ulm

Tel. 0731-710484

doroherrmann@gmx.de

www.dorotheeherrmann.de

(wird zur Zeit neu aufgebaut)

 



In Kürze

Jens Hunger

BLIND FAITH

15.03. - 13.04.2019

© J. Hunger

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Ein Versuch der Einbettung des Wunderbaren,
aber auch des Schreckhaften
in banale oder manchmal auch
groteske Szenerien.

 

Der Künstler Jens Hunger gibt in seinen Arbeiten Einblick in seine Perspektive auf eine scheinbar verworrene und bedrohliche Außenwelt. Am Anfang dieser künstlerischen Auseinandersetzung standen Comics und Collagen, aber seit einigen Jahren entstehen Ölgemälde auf Leinwand, Baumwolle und Papier. Es ist der Versuch der Einbettung des Wunderbaren, aber auch des Schreckhaften in banale oder manchmal auch groteske Szenerien. Teilweise eruptive, aber auch zurückhaltende Ausdrucksmittel wie zum Beispiel ein vitaler Farbauftrag oder eine vereinfachte Formgebung sind zu betrachten. Gegensätzlich dazu lassen sich immer wieder feinste, detailreiche ausformulierte Ereignis-Landschaften betrachten.

 

www.jens-hunger.de



Jahresprogramm 2019

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